05.05.2006

Steter finanzieller Balanceakt

FDP/FWS-Fraktionen in Stadtrat und Kreistag im St.-Anna-Krankenhaus

Sulzbach-Rosenberg. (cog) Wie funktioniert ein Krankenhaus? Wie sieht es hinter den Kulissen aus? Warum ist Medizin so teuer? Mit diesen und vielen anderen Fragen kamen die FDP/ FWS-Fraktionen des Stadtrats und des Kreistags ins St.-Anna-Krankenhaus.

Nach einer Begrüßung durch Aurelia Wiesnet, Mitarbeiterin des Krankenhauses und Vertreterin des Fördervereins, Ulrich Hornstein, den stellv. Krankenhaussvorstand und den Anästhesiologen Chefarzt Dr. Hannes Himmler führte Wiesnet die Politiker durch das Krankenhaus und zeigte die Bereiche, die ein Patient normalerweise nicht zu sehen bekommt.

So besichtigten Manfred Eckert, Kurt von Klenck, Karl-Heinz Kreiner, Edgar Meixner, Brigitte Munker, Hans Pickel und Hans-Jürgen Reitzenstein die Com-Zentrale, Bäderabteilung, Labor, Endoskopie, Kreißsaal- und OP-Bereich und Küche. Alle Abteilungen des Hauses sind miteinander vernetzt.

Das Personal ist mit vollem Einsatz dabei, aber die Medizin wird zunehmend von der Verwaltung beherrscht, und die Arbeitszeit der Ärzte wird immer mehr mit Papierkram ausgefüllt.

Ulrich Hornstein und Dr. Hannes Himmler erläuterten die Hintergründe. Das St.-Anna-Krankenhaus ist für KTQ (Kooperation für Transparenz und Qualität) und Stillfreundlichkeit zertifiziert. Angestrebt ist auch die Zertifizierung "Schmerzfreies Krankenhaus". Das Haus kooperiert mit niedergelassenen Fachärzten (z.B. Kinderärzte) und anderen Krankenhäusern (Pathologie).

Hornstein ging auch auf das komplizierte System der Budgetierung ein: "Das Krankenhaus hat ein bestimmtes Budget. Das soll kostendeckend sein, ist aber seit Jahren nicht erhöht. Personal- und Sachkosten steigen hingegen steigen. Das Budget reicht deshalb nicht." Der Ausgleich von Mehr- und Mindererlösen macht das Krankenhausmanagement zum Balanceakt.

Vor allem die Deckelung der Kosten sei absurd. Wie es Reitzenstein formulierte: "Man wird bestraft, wenn man arbeitet." Am Beispiel der ambulanten Operationen machte Hornstein deutlich, wohin der Sparzwang der Krankenkassen führt. Es gibt eine Liste der Operationen, die ambulant durchgeführt werden müssen. Nach diesen Operationen übernehmen die Kassen nicht die Kosten für einen stationären Aufenthalt.

Das Krankenhaus darf den Patienten aber nur nach Hause entlassen, wenn dort seine Versorgung gewährleistet ist. Wenn sich daheim niemand um den Patienten kümmern kann, darf er nicht entlassen werden und muss im Krankenhaus bleiben. Die Krankenkasse zahlt dann aber nicht für seinen Krankenhausaufenthalt.

Dr. Himmler fasste es mit Galgenhumor zusammen: "Als Arzt steht man immer mit einem Bein im Gefängnis, weil es nicht möglich ist, die sich teilweise widersprechenden Vorschriften alle einzuhalten."

Reitzenstein abschließend: "Dieser Besuch war für uns sehr wichtig. Wir wissen, was wir an unserem Krankenhaus haben und werden uns im Stadtrat und im Kreistag weiterhin dafür einsetzen."