04.10.2003

"Haben die Freien Wähler unterschätzt "

FDP-Bezirksvorsitzender Günter Koch zum Ausgang der Landtagswahl und den Folgen für seine Partei

Sulzbach-Rosenberg. (ll) Die SPD ist zweifellos der große Verlierer der Landtagswahl. Aber auch die FDP wurde am 21. September mit landesweiten 2,6 Prozent vom Wähler recht unsanft ausgebremst. Die SRZ befragte Günter Koch, den Bezirksvorsitzenden der Freien Demokraten, zu den weiteren Aussichten seiner Partei. Der Architekt aus Sulzbach-Rosenberg war auch Spitzenkandidat der Liberalen in der Oberpfalz.

Haben Sie nach der ersten Enttäuschung des Wahlausgangs daran gedacht, Ihr politisches Engagement zu beenden?

Koch: "Nein, ich bin ja schon 66 und habe gewusst, dass ich beim nächsten Mal bestimmt nicht mehr antrete. Ich habe mich halt aufstellen lassen, weil ich mir gedacht habe, es wäre gut für Sulzbach-Rosenberg, mal einen eigenen Abgeordneten zu haben. Von den anderen hat man ja die meiste Zeit nichts gehört, oder wir sind von ihnen aus zweiter Hand bedient worden."

Ihre Partei ist jetzt die dritte Wahlperiode hintereinander nicht im Maximilianeum vertreten. Ist das der Todesstoß für die FDP als Landespartei?

Koch: "Ich weiß nicht. Aber auf jeden Fall hatte ich den Eindruck, dass wir auf Landesebene keinen politischen Wahlkampf geführt haben. Von dieser miesen Stimmung gegenüber Berlin konnten wir so gar nicht profitieren. Wir hätten die Leute mehr mit unseren eigenen Vorstellungen ansprechen müssen, etwa bei der Gesundheitsreform, wo die großen Parteien mit ihrer Einigung ja bloß ein sehr kleines Pflaster ausgegeben haben."

Nach Ihren persönlichen Erfahrungen im Wahlkampf: Was muss die Partei in der Zukunft ändern?

 

Koch: "Bei einem Infostand hat mich ein junger Mann gefragt, warum er denn eigentlich FDP wählen sollte. Ich habe ihm gesagt: ,Wenn Sie meinen, dass vor allem Sie für sich selbst verantwortlich sind, dann sind Sie bei uns richtig. Wenn Sie meinen, dass in erster Linie der Staat für Sie verantwortlich ist, dann gehen Sie zu den großen Parteien.' So kurz hätten wir unser Programm präsentieren können. Wir müssen Mitglieder anziehen als die Partei, die nicht gleich nach dem Staat ruft. Denn wir tun uns da nicht so leicht über Stimmungen wie die CSU, die überall die Mehrheit stellt, oder die Grünen, die - auch wenn ich erst drüber gelacht habe - mit dem Motto ,mir san mir' ein alternatives Lebensgefühl zur CSU rüberbringen konnten."

Welche Fehler dürfen sich nicht wiederholen?

Koch: "Wir haben die Freien Wähler unterschätzt. Wir hätten lauter sagen müssen, dass sie kein politisches Programm haben und ihnen deshalb die politische Kompetenz auf Landesebene fehlt. So haben sie uns Wähler aus unserem Lager weggenommen."

Waren Sie mit Ihrem Erststimmen-Ergebnis in Sulzbach-Rosenberg zufrieden?

Koch: "Ich hätte mir ehrlich gesagt als Einheimischer etwas mehr erwartet als die 5,5 Prozent. Aber da habe ich wahrscheinlich die Parteienbindung der Leute unterschätzt."

Bleiben Sie Ihrer Partei als Bezirksvorsitzender erhalten?

Koch: "Ich bin ja nicht nur auf die Partei fixiert, ich versuche mich auch einfach als Sulzbach-Rosenberger zu betätigen, habe mich etwa konstruktiv mit der Maxhütte beschäftigt. Aber auf dem Bezirksparteitag im November werde ich mich wieder zur Wahl stellen. Es ist mir wichtig, dass es im Bezirksverband Oberpfalz kontinuierlich weitergeht. Ich bin ja auch beruflich noch aktiv und fühle mich noch nicht zum alten Eisen gehörig. Vielleicht bin ich der Beweis dafür, dass man sehr wohl bis 67 arbeiten kann."